Wer uns im August besucht, stellt früher oder später dieselbe Frage. Nie laut, eher vorsichtig, mit einem Blick Richtung Beet: Wollt ihr das noch aufräumen?
Nein. Was von außen aussieht wie ein Beet, das jemand vergessen hat, ist genau so gemeint. Zwischen Cosmea, Amaranth und Malve stehen Tomaten. Unter dem Blattdach der Kürbisse bleibt die Erde feucht, auch nach zwei Wochen ohne Regen. Der Fenchel blüht, obwohl er längst geschnitten sein müsste, weil die Schwebfliegen ihn brauchen. Und die Schwebfliegen brauchen wir gegen die Blattläuse.
Ernten ist bei uns keine Arbeit, die abgehakt wird, sondern eine Suche. Wir gehen mit einem leeren Korb los und wissen nicht, was am Ende darin liegt. Blätter zur Seite schieben, bücken, nachsehen, und darunter liegt eine Zucchini, die gestern noch nicht da war. Unser Sohn ist vier und läuft morgens in den Garten, bevor er frühstückt. Er hat schneller verstanden, worum es hier geht, als die meisten Erwachsenen.
Kurz gesagt
- Unser Garten in Brandenburg ist ein Permakultur-Garten in Mischkultur. Gemüse, Kräuter und Blumen stehen zusammen im selben Beet, nicht in getrennten Reihen.
- Das sieht ungeordnet aus und ist es nicht. Die Blumen ziehen Nützlinge an, die Blätter beschatten den Boden, und dazwischen steht das Essen.
- Im August kommen aus diesem Beet Rote Bete, Zucchini, Kürbis, blaue Stangenbohnen, Tomaten in fünf Farben, Gurken, Chili und ein Kräuterbeet, das nie leer wird.
- Am Ende dieses Beitrags steht ein Rezept, das genau daraus gekocht wird: Zucchinipuffer mit Kräuterquark und lauwarmem Bohnen-Tomaten-Salat. Für vier Personen, 45 Minuten, ohne Sonderzutaten.
Sieht aus wie Unkraut.
Ist eine Speisekammer.
Ein aufgeräumter Gemüsegarten hat gerade Reihen, dunkle Erde dazwischen und keine Blume, die nicht eingeplant war. Das sieht gut aus. Es ist auch trockener, anfälliger und deutlich stiller, weil kaum ein Insekt einen Grund hat, dort vorbeizukommen.
Bei uns wächst alles durcheinander, und genau das ist die Entscheidung. Die Tomaten hängen an einem alten Lattenzaun, weil der Zaun schon stand und die Wärme des Tages bis in die Nacht hält. Daneben steht, was dazu passt. Wir haben irgendwann aufgehört, in Beeten zu denken, und angefangen, in Nachbarschaften zu denken.
Suchen und
finden
Zucchini sind Meister im Verstecken. Unter ihren eigenen Blättern liegen sie so gut getarnt, dass wir alle drei Tage nachsehen müssen. Wer eine Woche wartet, erntet keine Zucchini mehr, sondern eine Keule. Diese beiden lagen an der Ziegelkante, halb unter Klee. Am Vortag war dort nichts zu sehen.
Darin liegt der eigentliche Reiz. In einem sortierten Garten steht die Ernte fest, bevor man die Haustür hinter sich zuzieht. Bei uns ist jeder Gang eine kleine Suche, und am Ende steht ein Korb da, den so niemand geplant hätte. Das Menü entsteht auf dem Rückweg zur Küche.
Der Fenchel darf blühen. Für die Küche wäre es besser, ihn vorher zu schneiden, aber im August sind die gelben Dolden der meistbesuchte Ort im ganzen Garten. Schwebfliegen legen ihre Eier daneben ab, und eine einzige Larve frisst in zwei Wochen mehrere hundert Blattläuse. Seit wir den Fenchel stehen lassen, kommen wir ohne jedes Mittel gegen Läuse aus.
- Rote Bete seit Juni
- Zucchini und Kürbis täglich
- Blaue Stangenbohnen Hauptzeit
- Cocktailtomaten, rot und gelb täglich
- Ochsenherztomaten ab September
- Gurken täglich
- Chili ab jetzt
- Fenchel blüht, Samen im September
- Salbei, Thymian, Rosmarin ganzjährig
- Schnittlauch und Petersilie ganzjährig
- Amaranth blüht
- Sonnenblumenkerne für die Vögel
Was das ganze Jahr
bleibt
Gemüse hat seine zwei, drei Wochen. Kräuter sind immer da, und sie sind der Grund, warum aus einer Handvoll Zutaten trotzdem ein Gericht wird. Salbei, Thymian und Rosmarin überstehen den Winter im Beet, ohne dass wir etwas dafür tun. Schnittlauch und Petersilie schneiden wir alle paar Tage nach, danach kommen sie kräftiger zurück.
Wenn ihr eine einzige Sache aus diesem Beitrag mitnehmt, dann diese: Pflanzt Kräuter. Sie brauchen wenig, verzeihen viel und verändern ein Gericht stärker als jede teure Zutat.
Und dann steht
das Menü fest
Ein Korb Tomaten in fünf Farben, ein Korb blaue Bohnen, eine Handvoll Kräuter, zwei Zucchini und eine Gurke, die einen Tag zu lange gewachsen ist. Daraus wird kein Rezept aus dem Buch. Daraus wird das Abendessen.