Zwei Menschen schieben Schubkarren über einen Grasweg zwischen herbstlichen Sträuchern zur Alpakaweide
Journal · Aus dem Garten · Oktober

Ein Wintermahl
für die Erde

Im Oktober holen wir den Mist unserer Nachbarn, der Alpakas, und bringen ihn in die Beete. Damit der Boden über den Winter zu Kräften kommt und im Frühjahr bereit ist, wenn wir es sind.

Christoph Neumann Journal · Aus dem Garten Villa Oiva · Brandenburg Oktober 2026 12 Min. Lesezeit Read in English

Es gibt Arbeit, die man sofort sieht, und Arbeit, die erst ein halbes Jahr später sichtbar wird. Diese hier gehört zur zweiten Sorte. An einem grauen Sonntag im Oktober schieben wir Schubkarren voller Alpakamist durch den Garten, und was daraus wird, liegt im Mai auf dem Teller.

Wer einen Garten hat, pflegt eigentlich etwas anderes: den Boden darunter. Pflanzen kommen und gehen mit den Jahreszeiten, der Boden bleibt. Er ist das Gedächtnis des Gartens, und nach einem Sommer voller Tomaten, Kürbisse und Bohnen hat er Hunger.

Also geben wir etwas zurück. Nicht aus dem Sack, sondern von nebenan: von den Alpakas, die ihren Mist so ordentlich an ein paar wenigen Stellen ablegen, als hätten sie gewusst, dass wir kommen. Was dann folgt, ist einer der schönsten Tage im Gartenjahr. Und einer, hinter dem erstaunlich viel Wissenschaft steckt.

Kurz gesagt

  • Im Oktober bringen wir Alpakamist in die Beete der Villa Oiva in Brandenburg. Er füttert das Bodenleben über den Winter und hilft, Humus aufzubauen.
  • Alpakas setzen Kot und Urin an wenigen gemeinsamen Stellen ab und fressen dort nicht. Das macht das Sammeln leicht und die Weide sauber.
  • Alpakamist gilt als geruchsarm, fein gekrümelt und arm an keimfähigen Samen. Wir mischen ihn mit Stroh und Laub und decken die Beete damit für den Winter zu.
  • Auf sandigen Brandenburger Böden zählt jedes Prozent Humus. Organische Substanz hilft dem Boden, Wasser zu halten, und dieser Effekt ist im Sand am größten.
  • Weiter unten: interaktive Grafiken zu Regen und Böden in Brandenburg, ein Humusrechner für das eigene Beet und ein Kalender, was unter der Winterdecke passiert.
01 / Der Boden

Alles beginnt
unter den Füßen

Boden ist kein Dreck. Ein guter Gartenboden besteht ungefähr zur Hälfte aus festen Teilen und zur Hälfte aus Poren: rund 45 Prozent Mineralien, etwa 5 Prozent organische Substanz, und dazwischen Raum für Wasser und Luft. Diese fünf Prozent sind die kleine Zahl, an der alles hängt. In ihnen leben die Pilzfäden, Bakterien, Springschwänze und Regenwürmer, die aus totem Material wieder Nahrung machen.

Wie viel Leben dort unten wohnt, haben Forschende von Agroscope und der Universität Zürich 2023 erstmals systematisch abgeschätzt. Ihr Ergebnis: Vermutlich lebt mehr als die Hälfte aller Arten der Erde im Boden, etwa 59 Prozent. Der Boden ist kein Untergrund. Er ist der größte Lebensraum, den wir haben.

Und er wächst langsam. Die Welternährungsorganisation FAO rechnet mit rund tausend Jahren für wenige Zentimeter fruchtbaren Oberboden, und nach ihren Angaben kommen 95 Prozent unserer Nahrung aus genau dieser dünnen Schicht. Wer einen Garten hat, verwaltet also etwas, das älter ist als jedes Haus. Und das sich mit der richtigen Pflege jedes Jahr ein wenig besser machen lässt.

Grafik 1 · Zum Antippen

Was in einer Handvoll Boden steckt

Volumenanteile eines guten, lockeren Oberbodens. Tippt auf einen Abschnitt, um zu sehen, welche Rolle er spielt.

59%
aller Arten der Erde leben vermutlich im Boden (Spanne 44 bis 74 Prozent)
~1.000Jahre
braucht die Natur für wenige Zentimeter fruchtbaren Oberboden
95%
unserer Nahrung wachsen nach Angaben der FAO auf Böden

Quellen: Cornell University, SoilNOW · Anthony, Bender & van der Heijden, PNAS 2023 · FAO über UN News 2022

Ein Haufen dunkler Alpakabohnen, kleine trockene Kotkügelchen mit etwas Heu, an der Weide
Alpakabohnen nennen Halter diesen Mist: kleine, trockene Kügelchen, fast ohne Geruch. Der Haufen an der Weide, kurz nach zwölf.
02 / Die Nachbarn

Die Nachbarn mit den
langen Hälsen

Alpakas stammen aus den Hochanden, aus Lagen zwischen 3.500 und 5.000 Metern. Gezüchtet wurden sie aus dem wilden Vikunja, vor mindestens fünf bis sechstausend Jahren. Dass ausgerechnet sie heute an einem Gartenzaun in Brandenburg stehen, ist einer dieser schönen Umwege der Geschichte.

Sie haben eine Eigenart, die jedes Gärtnerherz höher schlagen lässt: Die ganze Herde setzt Kot und Urin an wenigen festen Plätzen ab, und dort grast sie nicht. Alpakas legen sich ihren Misthaufen selbst an. Für uns heißt das kein Absuchen der ganzen Weide, sondern ein paar Stellen, an denen das schwarze Gold schon bereitliegt.

Drei weiße Alpakas stehen nebeneinander am Weidezaun und schauen neugierig zur Seite
Drei, die genau hinschauen. Alpakas sind Herdentiere und sehr neugierig.
12:22
Die Begrüßung am Zaun. Bevor wir eine Schaufel anfassen, wird erst einmal geprüft, wer da kommt.

Neu ist das alles nicht. In den Anden nutzen Menschen den Dung von Lamas und Alpakas seit Jahrtausenden, als Brennstoff und als Dünger. 2011 fand ein Team um den Paläoökologen Alex Chepstow-Lusty in den Sedimenten eines kleinen Sees nahe Cusco einen sprunghaften Anstieg von Milben, die von Tierdung leben, zeitgleich mit den ersten Maispollen, vor rund 2.700 Jahren. Die Forschenden deuten das so, dass Lamamist den Maisanbau in großer Höhe überhaupt erst ermöglicht hat. Ganz entschieden ist die Frage nicht. Aber es ist eine schöne Vorstellung, dass wir mit unserer Schubkarre eine sehr alte Geschichte weiterschreiben.

12:24
Aus dem Holzverschlag in die Karre. Mist, Heureste und Stroh kommen zusammen, genau so soll es sein.
Eine rostige Schubkarre, halb gefüllt mit Alpakamist, Heu und Laub, daneben eine Schaufel am Holzverschlag
Die erste Karre füllt sich. Das Heu darin ist kein Makel, sondern Kohlenstoff, den der Boden später gut gebrauchen kann.
Ein Spaten steckt aufrecht im Mist vor einem Verschlag aus alten Holzlatten Porträt eines weißen Alpakas mit wuscheligem Stirnschopf, das direkt in die Kamera schaut
Links das Werkzeug, rechts die Lieferantin. Sie hat die Arbeit eindeutig schon hinter sich.
Zwei weiße Alpakas im Profil vor hellem Himmel
Ihre weichen Sohlen schonen die Grasnarbe, ihre Ordnung schont unsere Rücken.
03 / Schwarzes Gold

Warum gerade
Alpakamist

Alpakas sind keine echten Wiederkäuer, aber sie verdauen ähnlich gründlich, mit einem Magen aus drei Kammern. Was am Ende herauskommt, sind kleine, trockene Kügelchen, fein zerkleinert und kaum riechend. Sie zerfallen schnell, lassen sich gut dosieren und verteilen sich leicht zwischen den Pflanzen.

Daraus ergeben sich die Gründe, warum Gärtnerinnen und Gärtner ihn so schätzen. Er riecht wenig. Er bringt Struktur in den Boden. Und er gilt als arm an keimfähigen Unkrautsamen, ganz anders als Pferdemist, den Pferde weniger gründlich verdauen. Weil Alpakamist vergleichsweise mild ist, wird er in der Praxis oft frisch ausgebracht. Wir machen es mit Ruhe: im Herbst, auf Beete, die erst im Frühjahr wieder bepflanzt werden. So hat er ein halbes Jahr Zeit, Boden zu werden.

Ein ehrliches Wort zu den Zahlen. Im Netz kursieren für Alpakamist sehr genaue Nährstoffwerte. Unabhängige Laboranalysen sind rar, und der Gehalt hängt stark davon ab, was die Tiere fressen. Unsere Alpakas stehen auf Gras und Heu. Was wir sicher sagen können, ist das, was der Vergleich mit anderen Mistsorten zeigt.

Grafik 2 · Zum Antippen

Vier Mistsorten im Vergleich

Tippt auf eine Spalte, um sie hervorzuheben. Nährstoffwerte in Prozent der Frischmasse, wo belastbare Daten vorliegen.

Merkmal
Formkleine, trockene Kügelchenstrohig, lockerfeucht, oft breiigfein, meist mit Einstreu
Geruchgeringmäßigdeutlichstark
Keimfähige Samengilt als samenarmhäufig, Samen werden nicht vollständig verdautmöglichwenige
Stickstoffkeine belastbaren Laborwerte, je nach Futter0,5 bis 0,9 %0,35 bis 2,0 %1,6 bis 4,3 %
Frisch ins Beetmild, wird oft frisch genutztbesser kompostierenbesser ablagern, salzreichnein, kann Pflanzen verbrennen
Sammelnleicht, feste Kotplätzeim Stall, mit Einstreuim Stall, mit Einstreuim Stall, mit Einstreu

Quellen: Werte für Pferd, Rind und Huhn aus University of Arizona Extension, Manure in the Home Garden · Kotplätze und Kotform: MSD Veterinary Manual · Samen im Pferdemist: Ask Extension, Colorado State University

Eine Schaufel voller Alpakabohnen wird über die Kante eines Holzverschlags gehoben
Eine Schaufel voll. Das Gewicht in der Hand ist leichter, als man denkt, weil der Mist so trocken ist.
Mist rieselt von einer Schaufel in eine grüne Schubkarre Nahaufnahme von Alpakabohnen zwischen welkem Kürbislaub und Halmen
In die grüne Karre, und daneben schon das, was später im Beet daraus wird: Mist, Laub und Halme, die sich ineinanderschieben.
Eine Frau im karierten Flanellhemd schaufelt Mist aus einem Holzverschlag, im Hintergrund die Weide und Bäume Ein Mann schaufelt Mist in eine grüne Schubkarre, daneben eine zweite volle Karre am Komposthaufen
Zwei Schaufeln, ein Rhythmus. Halb eins, und die Karren sind fast voll.
12:34
Die volle Karre und dahinter die Weide. Die Herde zieht unter den Apfelbäumen weiter, als wäre nichts gewesen.
04 / Die Arbeit

Arbeit, die
Freude macht

Natürlich ist das Arbeit. Drei Schubkarren, ein halber Tag, ein Rücken, der am Abend weiß, was er getan hat. Und trotzdem gehört dieser Tag zu den schönsten im Gartenjahr. Es ist die Arbeit, bei der man spürt, wie sich ein Kreis schließt: Die Alpakas fressen das Gras, ihr Mist füttert den Boden, der Boden füttert die Beete, und die Beete füttern uns.

Die kleinsten Hände sind dabei die eifrigsten. Kinder wissen sehr genau, was echte Arbeit ist: alles, bei dem man dreckig wird und am Ende etwas anders aussieht als vorher. Irgendwann sitzt man dann mittendrin in der Karre und ist vollkommen zufrieden. Der Hund überwacht das Ganze aus sicherem Abstand zum Rad.

Drei volle Schubkarren mit Alpakamist stehen nebeneinander auf der Wiese vor der Weide, ein Spaten steckt im Mist
Drei volle Karren, aufgereiht wie zur Parade. Zwanzig vor eins.
Ein grauweißer, zotteliger Hund sitzt auf der Wiese vor einer vollen Schubkarre und schaut in die Kamera
Die Bauaufsicht. Hat alles im Blick und nichts dagegen.
Ein Kind in Steppweste greift mit beiden Händen in eine volle Schubkarre mit Alpakamist
Mit beiden Händen. Was Erde ist, versteht man am besten, wenn man sie anfasst.
Ein Kind mit langen blonden Haaren sitzt von hinten gesehen in einer Schubkarre voller Mist
Und dann einfach Platz genommen. Der schönste Thron im ganzen Garten.
05 / Brandenburg

Sand, der lernt,
Wasser zu halten

Brandenburg ist ein trockenes Land mit leichten Böden. Zwischen 2017 und 2025 fielen hier im Schnitt rund 552 Millimeter Regen im Jahr, im deutschen Mittel waren es etwa 762. Jedes einzelne dieser neun Jahre war in Brandenburg trockener als im Bundesschnitt, 2018 kamen nur 390 Millimeter zusammen.

Dazu kommt der Sand. Die Ackerzahl, mit der in Deutschland die Ertragskraft eines Bodens bewertet wird, liegt im Landesmittel bei knapp 34, auf einer Skala, auf der die besten Böden Deutschlands um 100 liegen. Gut acht von zehn bewerteten Ackerhektaren in Brandenburg liegen unter 40. Wer hier gärtnert, gärtnert auf einem Boden, der Wasser schnell durchlässt und Nährstoffe nur schwer festhält.

Grafik 3 · Zum Antippen

Brandenburg in zwei Zahlen

Jahresniederschlag als Gebietsmittel, Brandenburg und Deutschland, 2017 bis 2025. Im Schnitt fehlen Brandenburg rund 210 Millimeter, also gut ein Viertel.

BrandenburgDeutschland
Daten als Tabelle
JahrBrandenburg (mm)Deutschland (mm)Weniger als Deutschland (mm)
2017721,4858,7137,3
2018390,4586,3195,9
2019505,4735,0229,6
2020511,1704,9193,8
2021600,1801,1201,0
2022434,3669,1234,8
2023724,9958,0233,1
2024600,3901,6301,3
2025480,2642,0161,8

Quelle: Agrarbericht Brandenburg, Natürliche Bedingungen, Niederschlag nach Daten von meteo.plus, Ackerzahl nach LELF, Februar 2026.

Wie extrem das werden kann, beschreibt der Jahresbericht 2025 der Finck Stiftung vom Gut & Bösel in Alt Madlitz, östlich von Berlin, wo regenerative Landwirtschaft gemeinsam mit Forschungsinstituten unter echten Bedingungen erprobt wird. 2025 fielen dort 491,6 Millimeter. Von März bis Juni kam nur ein Bruchteil des üblichen Regens, im Juli dann über 150 Millimeter in kurzer Zeit, am 21. Juli allein 52,5. Ausgetrocknete Böden können solche Mengen kaum aufnehmen. Das Wasser fließt ab und nimmt den Oberboden mit, genau den Teil, der für Fruchtbarkeit und Bodenleben am wichtigsten ist.

Der wichtigste Hebel, den Forschung und Praxis dort beschreiben, ist Humus. Er verbessert die Struktur und erhöht die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern. Auf dem Gut wurden 2025 rund 2.000 Tonnen Mist fermentiert und 500 Tonnen Kompost hergestellt, um genau das im großen Maßstab zu tun. Unser Garten ist kleiner. Das Prinzip ist dasselbe.

Wie viel bringt Humus wirklich? Die ehrlichste Antwort, die wir gefunden haben, stammt aus einer Auswertung von Budiman Minasny und Alex McBratney aus dem Jahr 2018. Sie kommen zu einem nüchternen Ergebnis: Ein Prozentpunkt mehr organischer Kohlenstoff speichert im Mittel rund 1,2 Millimeter mehr pflanzenverfügbares Wasser je zehn Zentimeter Boden. Das klingt nach wenig. Aber der Effekt ist im Sand am größten, und im Sand zählt jeder Liter. Rechnet es für euer eigenes Beet aus.

Grafik 4 · Zum Ausprobieren

Wie viel Wasser hält euer Beet mehr?

Schiebt die Regler. Der Rechner zeigt, wie viel pflanzenverfügbares Wasser ein Beet zusätzlich festhalten kann, wenn der Humusgehalt steigt. Nach jedem Regen füllt sich dieser Speicher neu.

Durchwurzelte Tiefe
Zusätzlich gespeichert
0Liter

Mittelwert nach Minasny und McBratney 2018 mit 1,16 mm je 10 cm Boden für einen Prozentpunkt organischen Kohlenstoff, Spanne 0,7 bis 2,0 mm. Humus wird mit dem üblichen Faktor 1,72 in Kohlenstoff umgerechnet. Im Sand liegt der Effekt eher am oberen Rand.

Quelle: Minasny, B. & McBratney, A. B. (2018): Limited effect of organic matter on soil available water capacity. European Journal of Soil Science 69, 39 bis 47.

06 / Der Garten

Eine Decke aus Mist,
Stroh und Laub

Dann geht es in den Garten. Durch das gelbe Laub auf dem Weg, an den Himbeeren vorbei, zwischen Cosmea und Sonnenblumen hindurch, die noch blühen, als wüssten sie nichts vom Winter.

Wir verteilen den Mist dünn, eine Lage von zwei, drei Zentimetern, rund um die Himbeeren und Johannisbeeren und auf die Beete, in denen im Sommer Gemüse stand. Umgegraben wird nichts. Der Mist bleibt oben liegen, gemischt mit dem Stroh aus dem Stall und dem Laub, das ohnehin fällt. Das ist die Winterdecke, und das Bodenleben holt sich den Rest.

12:53 bis 13:04
Elf Minuten, fünf Einstellungen: über den Laubweg, zu den Himbeeren, mit den Händen um jede Rute, und dann ins Blumenbeet zwischen Sonnenblumen und Cosmea.
Eine rostige Schubkarre kippt Alpakamist in ein Beet mit blühender Kapuzinerkresse
Zwischen die letzten Blüten der Kapuzinerkresse. In ein paar Wochen fallen auch sie und werden Teil der Decke.
Blick über eine Schubkarre voller Mist in ein herbstliches Gemüsebeet mit Rankstangen
Das Beet wartet. Im Frühjahr wird hier wieder gesät, direkt in das, was jetzt daraus wird.
Schubkarre mit Mist und Gabel zwischen Kapuzinerkresse und Bohnenstangen im Gemüsegarten
Die letzte Karre des Tages. Ein Beet nach dem anderen bekommt seine Portion.
13:10
Die letzte Gabel für die Johannisbeere. Dann ist es geschafft, und der Garten darf schlafen gehen.
07 / Der Winter

Was unter der Decke
passiert

Ab hier arbeiten andere. Regenwürmer ziehen das Material von oben in die Tiefe, Pilze und Bakterien zerlegen es, bei milden Temperaturen auch mitten im Winter. Frost lockert die oberste Schicht. Die Decke hält Feuchtigkeit, schützt vor Wind und bremst Starkregen, bevor er Boden wegtragen kann.

Ein Punkt verdient Sorgfalt, gerade auf Sand. Herbst und Winter sind die Zeit, in der Stickstoff am leichtesten mit dem Sickerwasser in die Tiefe wandert, weil wenig wächst und viel Wasser durch den Boden zieht. Deshalb bringen wir nur eine dünne Lage aus, mischen den Mist mit Stroh und Laub, halten die Beete bedeckt und geben das meiste dorthin, wo mehrjährige Sträucher auch im Herbst noch Wurzeln bilden. Untersuchungen des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zeigen, warum das wirkt: Bodenbedeckung und Stroh senken den auswaschungsgefährdeten Stickstoff vor dem Winter deutlich.

Grafik 5 · Monat für Monat

Ein Winter unter der Decke

Von Oktober bis April: was im Boden passiert und was wir im Garten tun.

Im Boden

Im Garten

Grundlage: LfULG Sachsen 2025 zu Stickstoff über Winter · Spätfrostdatum aus dem Jahresbericht 2025 der Finck Stiftung, Alt Madlitz.

08 / Anleitung

So machen
wir es

Für alle, die es selbst ausprobieren wollen. Kein Rezept mit Grammangaben, sondern die Reihenfolge, die sich bei uns bewährt hat.

  1. Der richtige Zeitpunkt. Oktober bis Anfang November, nach der Ernte, solange der Boden offen und noch warm ist.
  2. Sammeln an den Kotplätzen. Alpakas legen ihren Mist an festen Stellen ab. Gabel, Schaufel, Schubkarre, Handschuhe, mehr braucht es nicht. Heu und Stroh dürfen mit.
  3. Dünn verteilen. Eine Lage von zwei bis drei Zentimetern genügt. Lieber jedes Jahr etwas als einmal sehr viel.
  4. Mit Kohlenstoff mischen. Stroh und Laub darüber oder darunter. Sie binden Stickstoff, füttern Pilze und schützen den Boden.
  5. Nicht umgraben. Der Mist bleibt oben. Regenwürmer und Bodenleben ziehen ihn selbst nach unten, ohne die Bodenstruktur zu zerstören.
  6. Gezielt geben. Vor allem um mehrjährige Sträucher wie Himbeeren und Johannisbeeren und auf Beete, die erst im Frühjahr wieder bepflanzt werden. Nicht direkt an junge Setzlinge.
  7. Bedeckt halten. Den ganzen Winter. Ein nackter Boden ist auf Sand ein verletzlicher Boden.
  8. Im Frühjahr hineinpflanzen. Was von der Decke übrig ist, bleibt als Mulch liegen. Gesät und gepflanzt wird direkt hinein.
09 / Der Kreis

Die Pflanzen
danken es

Permakultur ist ein großes Wort für eine einfache Idee: so zu gärtnern, dass ein Kreislauf entsteht, der sich selbst trägt. Die Alpakas fressen Gras, das ohne Dünger wächst. Ihr Mist nährt einen Boden, der Jahr für Jahr mehr Wasser hält und mehr Leben beherbergt. Daraus wächst Gemüse für den langen Tisch, und was übrig bleibt, wandert auf den Kompost und zurück in die Beete. Nichts verlässt das System, nichts muss hinzugekauft werden.

Ob das funktioniert, erzählt uns der Garten selbst. Im Frühjahr ist die Erde unter der Decke dunkel und krümelig, sie riecht nach Wald, und beim ersten Spatenstich kommen Regenwürmer zum Vorschein. Die Himbeeren treiben kräftig, die Beete sind bereit, bevor wir es sind. Und an einem grauen Sonntag im nächsten Oktober stehen wir wieder am Zaun, mit leeren Schubkarren und Alpakas, die ganz genau wissen, was jetzt kommt.

Häufige Fragen

Was Leute uns über
Alpakamist fragen

Ist Alpakamist ein guter Dünger für den Garten?

Ja. Alpakamist besteht aus kleinen, trockenen Kügelchen, riecht kaum und gilt als arm an keimfähigen Unkrautsamen. Er bringt organische Substanz in den Boden, füttert das Bodenleben und hilft beim Humusaufbau. Weil Alpakas ihren Kot an festen Plätzen absetzen, ist er außerdem leicht zu sammeln. Die genauen Nährstoffgehalte schwanken mit dem Futter der Tiere.

Kann man Alpakamist frisch verwenden?

Alpakamist gilt als mild und wird in der Praxis oft frisch ausgebracht. Beratungsstellen empfehlen bei frischem Mist grundsätzlich, ihn nicht direkt an junge Pflanzen zu geben und einige Wochen Abstand zur Pflanzung zu lassen. Am einfachsten ist es, ihn im Herbst auf Beete zu geben, die erst im Frühjahr bepflanzt werden, oder ihn vorher zu kompostieren.

Wann bringt man Alpakamist im Garten aus?

Bei uns im Oktober und Anfang November, nach der Ernte und solange der Boden noch warm ist. Dann hat das Bodenleben über den Winter Zeit, den Mist einzuarbeiten. Auf sandigen Böden sollte man dünn verteilen, mit Stroh oder Laub mischen und die Beete bedeckt halten, weil Stickstoff im Winter leichter ausgewaschen wird.

Enthält Alpakamist Unkrautsamen?

Alpakamist gilt als samenarm. Alpakas verdauen ihr Futter mit einem Magen aus drei Kammern sehr gründlich. Pferdemist dagegen enthält häufig keimfähige Samen, weil Pferde sie nicht vollständig verdauen. Ganz ausschließen lässt es sich bei keinem Mist, das hängt auch vom Heu ab.

Warum ist Humus auf Sandboden so wichtig?

Sand lässt Wasser schnell durchsickern und hält Nährstoffe schlecht fest. Humus wirkt dort wie ein Schwamm und ein Vorratsspeicher zugleich. Nach einer Auswertung von Minasny und McBratney aus dem Jahr 2018 steigt die Wasserspeicherung durch mehr organischen Kohlenstoff in sandigen Böden am stärksten. In Brandenburg, wo es deutlich weniger regnet als im deutschen Mittel, macht das einen spürbaren Unterschied.

Wie viel Wasser speichert ein Prozent mehr Humus?

Ein Prozentpunkt mehr organischer Kohlenstoff, das entspricht etwa 1,7 Prozentpunkten Humus, speichert im Mittel rund 1,2 Millimeter mehr pflanzenverfügbares Wasser je zehn Zentimeter Boden. Auf 30 Zentimeter Tiefe sind das rund 3,5 Liter je Quadratmeter, die sich nach jedem Regen neu füllen. Die Spanne in den Studien reicht von 0,7 bis 2 Millimetern.

Riecht Alpakamist?

Kaum. Frischer Alpakamist riecht deutlich weniger als Rindermist oder Hühnermist, eher nach Heu und Erde. Wird ein Komposthaufen mit Alpakamist unangenehm, ist er meist zu nass oder zu dicht und braucht Luft und trockenes Material wie Laub oder Stroh.

Kann man euren Garten besuchen?

Der Garten gehört zum Haus und ist Teil jeder Feier, jedes Retreats und jeder Übernachtung bei uns. Wer bei uns am langen Tisch sitzt, isst, was in diesem Boden gewachsen ist. Die Saison läuft von April bis Oktober.

Über den Autor
Christoph Neumann

Fotodesigner und Videograf mit über 25 Jahren Berufserfahrung in Portrait, People, Editorial, Corporate sowie Architektur- und Interiorfotografie. Er betreibt gemeinsam mit seiner Familie die Villa Oiva, eine Jugendstilvilla von 1895 in Brandenburg, deren Permakulturgarten die Küche des Hauses versorgt. Alle Fotografien und Videos in diesem Beitrag sind am 18. Oktober 2026 zwischen zwölf Uhr und Viertel nach eins im eigenen Garten entstanden. christoph-neumann.com

Quellen

  1. Finck Stiftung (2026): Jahresbericht 2025, Reallabor Alt Madlitz. finck-stiftung.org
  2. Gut & Bösel: Kompost. gutundboesel.org/arbeiten/kompost
  3. DaVaSus, Datenbasierte Bewertung regenerativer Landnutzung (Finck Stiftung, ATB, JKI, KTBL). davasus.de
  4. Minasny, B. & McBratney, A. B. (2018): Limited effect of organic matter on soil available water capacity. European Journal of Soil Science 69(1), 39 bis 47. doi.org/10.1111/ejss.12475
  5. Anthony, M. A., Bender, S. F. & van der Heijden, M. G. A. (2023): Enumerating soil biodiversity. PNAS 120(33). doi.org/10.1073/pnas.2304663120
  6. FAO, berichtet von UN News (2022): FAO warns 90 per cent of Earth’s topsoil at risk by 2050. news.un.org
  7. Land Brandenburg: Agrarbericht, Natürliche Bedingungen. agrarbericht.brandenburg.de
  8. LfULG Sachsen, Grunert, M. (2025): Handlungsoptionen zur weiteren Verbesserung der N-Effizienz in Ackerkulturen. landwirtschaft.sachsen.de
  9. Chepstow-Lusty, A. (2011): Agro-pastoralism and social change in the Cuzco heartland of Peru. Antiquity 85(328), 570 bis 582. Bericht: phys.org
  10. Wiedner, E.: Management of Llamas and Alpacas. MSD Veterinary Manual
  11. Alpaca Owners Association: Environmental Impact of Camelids. alpacainfo.com
  12. Walworth, J. (2013): Manure in the Home Garden, AZ1590. University of Arizona Cooperative Extension
  13. Cornell University, SoilNOW: The Science of Soil. blogs.cornell.edu/soilnow
  14. Encyclopaedia Britannica: Alpaca. britannica.com
  15. EAT Community: How to Turn Alpaca Poop into Black Gold for Your Garden. eatcommunity.com

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